Die Türe zum Saal des Schauspielhauses steht offen. Leise Musik kommt aus den Lautsprechern, unauffällig plätschert sie in die Ohren der Besucher, die sich die Fotoausstellung anschauen. Zwei lange, halbhohe Stellwände durchschneiden die Bühne der Länge nach und die Betrachter mittendurch. Es sieht so aus, als ob sich die Beine von den Köpfen getrennt hätten und selbständig durch die Ausstellung schlendern würden. Ein Kronleuchter hängt viel zu tief neben dem Rednerpult im Vordergrund. Ist das ein Bühnenbild für ein modernes Theaterstück? Warum sind die Schauspieler schon auf der Bühne, während die Zuschauerränge noch leer sind? Nein, heute ist wieder Soirée Shot, die Fotoversteigerung, die mit allen Regeln bricht. Es ist der 13. Juni 2007, und während draussen im Garten der Camparibar das „Who is Who“ der internationalen Kunstwelt sitzt, wird nur einen Steinwurf entfernt junge internationale Fotokunst versteigert.
Es war eine Soirée Shot très privée, denn die ca. 150 Kunstinteressierten kamen aus dem nahen Umfeld der Künstler und Veranstalter. Nach der Versteigerung standen die Techniker des Theaters schon bereit zum Abbau. Anstelle der Musik waren leise Strassengeräusche und das Rattern des Belegdruckers zu hören. Der Drucker kam ins Stocken. Das war das Ende der Rolle, Wiederholung des Druckvorgangs nicht möglich, stand auf dem Display. Dabei sah die Frau an der Kasse in ihrem geblumten Kleid so aus, als ob sie eine Rolle in einem Stück von Christoph Marthaler spielen würde. War der Abend etwa doch eine Theaterinszenierung?
Patrick Schrag, Blablamatic